Sonntag, 25. September 2016

{Humor} Lehrer sein in Zeiten von Fack yu Göthe

Hallo Leute!

Lehrer sein ist voll in - vor allem seit der coole Lehrer in Fack yu Göthe die Kids voll im Griff hat. Eigentlich denkt man, dass es sich bei diesem Film um eine komplette Überspitzung der gegenwärtigen Zuständen an den Schulen ist - vor allem, wenn man bedenkt, dass meine Generation (knapp über 30) ja noch gar nicht so lange aus der Schule raus ist. Amelie Bachmayer belehrt einen eines besseren...

Mathe ist übertrieben hässlich, Frau Bachmayer


Daten

Autorin: Amelie Bachmayer 
Verlag: Ullstein
ISBN: 3548376541
Preis: 9,99€
Taschenbuch, 256 Seiten


Inhalt

Amelie Bachmayer ist Lehrerin an einer Realschule irgendwo in Berlin. Sie gehört zu einer Generation an Lehrern, die die Normalität an Schulen noch mitbekommen hat - sie ist irgendwo Mitte 30 und berichtet aus ihrem Alltag.

Das ist ein Alltag der von der Vorstellung anderer geprägt ist, Lehrer sein sein ein einfacher Job mit viel Freizeit. Aber das Lehrer sein ist hart. Schon das Verteidigen seiner Kekse im Lehrerzimmer ist eine echte Aufgabe. Und dann erst diese Schüler, die kaum von ihren Smartphones wegzubekommen sind. Will man sie dann aber sinnvoll im Unterricht einsetzen, steigen einem die Helikoptereltern aufs Dach. Die sind sowieso schwierig - Elternabende ziehen sich schonmal auf 3 Stunden, weil über Essen und Sitzordnungen diskutiert werden muss.

Aber dann ist ja noch das größte Problem - die Schüler. Zwar wollen die Ausbilder von den jungen Lehrern eine Art "Kuschelpädagogik" sehen, doch das funktioniert eben nicht immer. Aber die meisten Schüler bringen Frau Bachmayer dann doch mit ihren Aussagen irgendwie zum lachen - auch wenn sie eigentlich streng sein möchte, geht das eben doch nicht immer...


Fazit

Fack yu Göthe lebt wirklich an deutschen Schulen - jede Klasse hat irgendwie eine Schantal, und das ausbrechende Chaos - wirklich für den Unterricht interessiert sich keiner mehr und gleichzeitig muss sich der Lehrer von heute auch noch mit wahnsinnigen Eltern (warum hat meine Tochter eine 4 in der Englischarbeit? Zu Hause hat sie es gekonnt?) und diebischen Kollegen rumschlagen.

Sehr humorvoll und spannend (natürlich manchmal auch ein bisschen überspitzt) berichtet Amelie Bachmayer aus ihrem Leben als Lehrerin - und das ist sicherlich nicht immer einfach. Ich erwische mich dabei immer bei dem Gedanken "Hoffentlich werden meine Kinder nicht so" - und bei der Frage "Ob ich auch mal eine Helikoptermami werde?".

Ein sehr witziges und humorvolles Buch über den Alltag als Lehrer.

Von mir gibt es sehr gute 4 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke

{Humor - Gesellschaft} Gestorben wird immer

Hallo Leute!

Ein Buch lag schon ganz lange auf meinem Nachtschränkchen. Aber irgendwie bin ich immer wieder zurückgeschreckt. Schließlich geht es ja um Bestattungen - und eigentlich will man ja gar nicht so genau wissen, was da so "hinter den Kulissen" läuft. Man geht zur Bestattung und ist traurig, geht zum "Tröster" und dann wieder ab nach Hause.

Jetzt ist meine letzte Bestattung schon eine ganze Weile her - daher habe ich mich doch mal getraut und mich tatsächlich amüsiert.

Fragen Sie Ihren Bestatter


Daten

Autorin: Caitlin Doughty
Verlag: C.H. Beck
ISBN: 3406688209
Preis: 19,95€
Gebundene Ausgabe, 270 Seiten


Inhalt


Caitlin hat schon einen ganz besonderen Job, um den sie sich im Alter von 23 keinesfalls gerissen hat. Eigentlich hatte sie mittelalterliche Geschichte studiert, als sie ihren Dienst als Krematoriumsfachkraft im Westwind Krematorium antritt. Sie erzählt aus ihrem Berufsleben. Inzwischen führt sie ein "alternatives" Bestattungsunternehmen in Los Angeles.

Gleich zu Beginn soll sie eine Leiche rasieren - weiß aber gar nicht so recht, wie sie das anfangen soll. Sie schreibt davon, wie schwer es ihr zu Anfang fiel, mit den Angehörigen umzugehen.

Manche Arbeiten sind ziemlich eklig, andere Wünsche Angehöriger auch ein bisschen skurril. Manch einer wünscht sich kleine Aschenkapseln oder Daumenabdrücke der Toten und auch manch ein Utensil ihrer Arbeit erinnert mehr an einen Handwerker - Sekundenkleber etwa gehört zu ihren alltäglichen Gebrauchsgegenständen.

Sie beschreibt aber auch ein Thema, von dem viele sicher gar nicht gerne hören - vom Thema Tod. Bei dem sehen viele Menschen weg, obwohl oder vermutlich gerade weil es auf jeden von uns irgendwann zukommt. Das Buch von Caitlin Doughty ist viel mehr ein Plädoyer dafür, dass es mehr Menschen geben sollte, die damit umgehen und ihren Job sogar gerne machen. Kaum junge Ärzte gehen in die Geriatrie und die Bestattungsindustrie hat auch Nachwuchssorgen - aber gestorben wird eben immer. Und gerade deshalb sollte unsere Gesellschaft entspannter mit dem Thema Sterben umgehen können.


Fazit


Sicher, man sollte das Buch nicht lesen, wenn man gerade einen nahen Angehörigen verloren hat. Denn Caitlin schreibt schon herrlich offenherzig und ein bisschen ironisch von ihrer Arbeit. Manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu offenherzig, bei manchen Geschichten gruselt es einen dann schon aufgrund der vielen Details. Für schwache Nerven und Hypochonder ist das Buch definitiv nicht.

Gleichzeitig offenbart sie aber auch aus einem ganz interessanten Blickwinkel, wie sehr der Tod in unserer Gesellschaft verteufelt und an den Rand geschoben wird. Viele ihrer Kunden kommen beispielsweise aus den Altenheimen, wurden so lange künstlich am Leben gehalten, dass sie kaum mehr als Haut und Knochen sind.

Es ist eine ganz andere Auseinandersetzung mit dem Thema Tod, ein bisschen mehr Brechstange als ein sensibler Ratgeber, dafür aber umso amüsanter. Bestatter möchte ich zwar trotzdem nicht werden, aber mit dem Thema werde ich von nun an etwas entspannter umgehen...

In diesem Sinne

Eure Anke

Samstag, 24. September 2016

{Humor - Mitgehört} #DuOpfa

Hallo Leute!

Sicherlich kennt ihr das - ihr sitzt in der U-Bahn und eine Gruppe Teenies bewaffnet mit Smartphones kommt rein. Ich muss sagen, früher habe ich immer die Augen verdreht - jetzt amüsiere ich mich drüber... Und genau um diesen Effekt geht es in diesem Buch... 

Du hast mir das Kind gemacht, nicht ich


Daten

Autor/Herausgeber: Erkan Dörtoluk
Verlag: Piper
ISBN: 3492306640
Preis: 8,99€
Taschenbuch, 224 Seiten


Inhalt

Nein, das hat der jetzt nicht gesagt... Doch, das hat er. Das denkt man manchmal, wenn man im öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist. Erkan Dörtoluk denkt das nicht nur, er schreibt es auf. Und er ist ein aufmerksamer Zuhörer. Irgendwo am Rhein ist Dörtoluk unterwegs und sammelt seine Zitate, der er in den Social Media Netzwerken als "Rheinbahn intim" publiziert und jetzt in diesem Buch als Sammlung veröffentlicht.

Intimes, Absurdes, Lustiges und Bedenkliches - alles hat diese Sammlung zu Bieten. Davon, dass man dringend mal einen neuen Schlüpfer braucht bis hin zum Philosophieren über den Stand des Smartphoneakkus - Dinge, die meist eigentlich nicht für fremde Ohren bestimmt sind. Man sagt sie aber trotzdem, weil irgendwie fühlt man sich ja dann doch erstaunlich privat, wenn man sich mit dem Kumpel oder dem Partner, dem Kollegen oder dem Schulfreund in der Bahn unterhält.


Fazit

Ich selbst kann mich manchmal vor Lachen kaum noch halten, mache mir manchmal sogar den Spaß, dass ich die Kopfhörer zwar in den Ohren habe, aber es kommt gar kein Geräusch raus. Nur um die neuen "wunderschönen" Fingernägel meiner Sitznachbarin zu begutachten und zu erfahren, dass sie gleich zu Mähkies rollt, gehen kann sie ja nicht mehr.

Aber es ist schon amüsant, was manche Leute in der Öffentlichkeit für einen Schwachsinn von sich geben.

Lehrreich ist dieses Buch nicht - aber enorm lustig.

In diesem Sinne

Eure Anke

Donnerstag, 22. September 2016

{Kultur - Europa} Ein Plädoyer

Hallo Leute!

Gerade in der Gegenwart der aktuellen Brexit-Diskussion muss man sich doch mal vor Augen führen, was wir an Europa so haben. Und ich, als überzeugte Europäerin, bin immer wieder auf der Suche nach Argumenten, warum Europa ganz toll ist. Pieter Steinz hat das getan - entstanden ist dabei dieses wunderbare Buch.

Typisch Europa

Daten

Autor: Pieter Steinz
Verlag: Knaus
ISBN: 3813507289
Preis: 29,99€
Gebundene Ausgabe, 464 Seiten


Inhalt

Europa eint vor allem eins - die Kultur. Harry Potter oder Pippi Langstrumpf sind in Island genauso bekannt wie in Griechenland. Pieter Steinz hat sich eben genau auf diese Suche gemacht - er stellt dabei selten ein bestimmtes Museum oder ein bestimmtes Schloss vor, sondern viel mehr Kunstwerke (egal ob Statue oder Film, Buch oder Bild), die man in London genauso kennt wie in Madrid oder in Athen.

Dabei begibt er sich auf eine Reise nicht nur durch den ganzen Kontinent, sondern auch durch die europäische Geschichte - er berichtet von Troubadouren und von Billy Regalen - Dingen, die auf den ersten Blick wohl eher wenig zu tun haben - außer eben, dass sie Europa ausmachen. Er stellt Musikrichtungen vor wie Punk oder auch Meister der Literatur wie Goethe oder Mary Shelly und ihr Dracula.

Er stellt Tänze vor wie den Flamenco oder aber Lego, die Mona Lisa als Beispiel der italienischen Malerei. 

Er stellt 100 Ikonen der europäischen Kultur ausführlich vor - mit dessen Geschichte und was es jeweils mit Europa zu tun hat. Dazu kommen ganz tolle, großformatige Bilder, die das Buch zu etwas ganz besonderem machen.


Fazit

Es gibt in Europa eben doch mehr, das die Menschen eint als das sie getrennt werden. Das Buch macht einem richtig Lust, die europäische Kultur zu entdecken. Es lädt förmlich dazu ein, immer wieder darin zu stöbern und damit Europa zu entdecken.

Vieles davon kennt man natürlich - schließlich ist es ja das Ziel des Buches, die Menschen und Phänomene, Kunstwerke und Firmen vorzustellen, die Europa verbindet. Aber man erfährt auch viel Spannendes und Neues und man bekommt einen neuen Blick auf vieles. Und am Ende ist es dann doch wesentlich mehr als man denkt. Und vieles, was man als "Deutsch" denkt, wirft doch wesentlich weitere Wellen.

Von mir bekommt dieses tolle Werk grandiose 5 Sterne. Wenn nochmal jemand gegen die EU schießt, bekommt er von mir dieses Buch zu lesen. Denn Europa ist schlicht und einfach viel mehr als das, was die Bürokraten entscheiden. Europa sind die Menschen, die den Kontinent ausmachen und die eine gemeinsame Kultur haben.

In diesem Sinne

Eure Anke

{Thriller - Frankreich} Der neue Link

Hallo Leute!

Manche Autoren versprechen schon mit ihrem Namen enorm viel Spannung - Charlotte Link gehört schon seit Jahren in diese Gruppe der erfolgreichen Deutschen Thrillerautorinnen. Heute darf ich euch ihr neuestes Werk vorstellen...


Die Entscheidung



Daten


Autorin: Charlotte Link
Verlag: blanvalet
ISBN: 3764504412 
Preis: 22,99€
Gebundene Ausgabe, 576 Seiten


Inhalt

Eigentlich könnte Simon ein glückliches Leben führen. Die Scheidung von Maya ist gerade durch. Geplant war es auch, mit seinen beiden Kids Weihnachten in Südfrankreich im Ferienhaus seines Vaters zu verbringen. Eigentlich ist er noch dazu frisch in Kristina verliebt. 

Doch dann sitzt er doch alleine am Meer. Die Kinder haben abgesagt und er traute sich nicht, seinem dominanten Vater das zu sagen. Und da die Kinder noch nichts von Kristina wissen dürfen, sitzt sie zu allem Überfluss auch noch alleine in Hamburg. Na das kann ja ein schönes Weihnachten werden.

An einem regnerischen Tag geht er alleine am Meer spazieren, als ihm eine junge Frau auffällt, die von zwei Männern bedroht zu werden scheint. Doch wie es sich herausstellt, war die halb verhungerte Natalie in einem Apartment eingebrochen und die beiden Hausmeister wollten Geld von ihr haben. Da trifft Simon eine folgenschwere Entscheidung - er nimmt Natalie mit, gibt ihr zu essen und lässt das junge Mädchen aus Metz, das so perfekt Deutsch spricht, bei sich übernachten.

Doch dann fällt ein Satz, der Simon immer tiefer in eine verworrene Geschichte rund um Menschenhandel und böse Kindheitserlebnisse führt. Der Satz lautet "Ich glaube, ich habe einen Menschen getötet".

Es beginnt eine Geschichte voll tiefer und komplizierter Verwicklungen.


Fazit

Nun, was will man sagen. Ein typischer Link eben. Die Geschichte nimmt relativ schnell Geschwindigkeit auf und durch ihren Wechsel der Lokalitäten (Bulgarien und Frankreich sind die Hauptschauplätze) hat man auch innerlich einen gewissen "Weiterlesezwang". 

Die Geschichte an sich wirkt zwar auf dem ersten Blick rund und gut durchdacht, aber irgendwann gibt es da etwas, was einen merkwürdigen Eindruck hinterlässt - die merkwürdige Gestalt der Natalie wird irgendwie immer zwielichtiger und irgendwann fragt man sich dann tatsächlich, warum Simon sich das überhaupt antut und sie nicht einfach vor die Tür setzt.

Die Geschichte ist wirklich interessant und spannend gestaltet, aber irgendwie fragt man sich schnell, was jetzt genau Simons Motive sind, sich überhaupt in die Geschichte verstricken zu lassen und man denkt sich wirklich nur, was das soll. Dieser Eindruck schmälert das Leseerlebnis leider ein bisschen, daher kann ich nicht mehr als 4 Sterne vergeben.

In diesem Sinne

Eure Anke

Mittwoch, 21. September 2016

{Tagebücher - Humor - DDR} Der Sozialismus lebt

Hallo Leute!

Manchmal stößt man auf Bücher, die muss man einfach lesen. Damals fand ich irgendwann das Buch "Er ist wieder da". Jetzt neu in den Buchläden ist ein Werk, das einer ganz ähnlichen Kategorie entstammt - "Was wäre wenn". Diesmal geht es um die geheimen Tagebücher von Erich Honecker.

Hier ist alles Banane


Daten

Autor: Jorge Nicolas Sanchez Rodriguez
Verlag: Ullstein extra
ISBN: 978-3-86493-040-9
Preis: 14,99€
Broschiert, 272 Seiten


Inhalt

Die DDR ist untergegangen. Die ganze DDR? Nein, Erich und Margot Honecker feiern den real existierenden Sozialismus weiter - in ihrem Exil bei der Familie in Chile. Doch wer glaubt, Erich sei wirklich im Mai 1994 dort gestorben, der glaubt nur, was die Westpropaganda ihn glauben machen will. Denn in Wahrheit lebt Erich weiter und hat seinen ganz eigenen Blick auf die Welt.

Die resolute Ehefrau überredet ihn, Tagebuch zu schreiben, weil raus darf er ja nicht, der Schwindel würde auffallen. Nur Fahrer und Hausmeister Jorge sowie Nachbar Campos sind eingeweiht. Und so baut Erich seinen Reihenhausgarten mit mehreren Tonnen Beton ein, so dass Campos keine Sonne mehr im Garten hat.

Offen und ehrlich äußert er sich nicht nur zur Realpolitik im Alltag, sondern auch zu seinem Privaten Glück. Er berichtet von allen Weihnachtsgeschenken, dem Blankoscheck, den Enkel Robbie zu Weihnachten bekommt - wenn er seine Wünsche nicht äußert, soll er den Betrag gefälligst selbst eintragen bis zum Wunsch, endlich wieder mal Urlaub zu machen. Im Alter von 103 Jahren entdeckt er nämlich, dass die DDR ja noch existiert, in Form der Ernst Thälmann Insel vor Kuba - endlich hat der real existierende Sozialismus gesiegt. 


Fazit

Immer entrückter wirkt er - von Jahr zu Jahr, doch Tagebuch führt er immer noch - egal ob in New York Flugzeuge in Plattenbauten fliegen (solche Unfälle müssen ja bei den Dimensionen passieren) oder ob er schon 1977 prognostiziert hat, dass der Schmidt nicht mehr lange macht, wenn er so weiter raucht. 

Dadurch entsteht ein leicht entrückter, aber urkomischer Blick auf die Geschichte der letzten 20 Jahre. Ein bisschen erinnert es tatsächlich an das Werk von Timor Vernes, in dem ein anderer Diktator eine Rolle spielt. Nur hat man hier die Weltsicht eines greisen Sozialisten. Und wenn man sich die letzten Interviews mit Margot Honecker so anschaut, ist diese Sichtweise wohl nicht einmal allzu weit hergeholt.

Entstanden ist ein Werk mit einem sehr speziellen Humor, sicherlich nicht jedermanns Sache. Irgendwie gibt es auch mal viele Seiten, die völlig uninteressanten Kleinkram aus Honeckers Privatleben bekanntgeben. Aber auch das gehört ja irgendwie zu einem realistischen Tagebuch hinzu. Ich fand es sehr lustig, diejenigen, die Timor Vernes gut fanden, werden dieses Buch auch mögen.

Von mir gibt es sehr gute 4 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke

Dienstag, 20. September 2016

{Russland - Gesellschaft} What you can do for Putin...

Hallo Leute!

Putin polarisiert - nicht nur die Welt, sondern auch sein eigenes Land. Gesamtziel seiner Regierungszeit scheint eins zu sein - Russland wieder zur Weltmacht zu machen. Benjamin Bidder hat das Phänomen untersucht. Er hat junge Leute begleitet, die erst nach dem Zusammenbruch der Weltmacht Sowjetunion geboren wurden. Und dabei hat er das Leben einer ganzen Generation charakterisiert.


Generation Putin

Daten

Autor: Benjamin Bidder
Verlag: DVA
ISBN: 3421047448
Preis: 16,99€
Broschiert, 366 Seiten


Inhalt

Was bewegt die junge Generation in Russland? Was bewegt junge Menschen, die den Kommunismus nicht mehr erlebt haben, die den Zusammenbruch der Weltmacht höchstens als Säugling erlebt haben?

Der Spiegel-Journalist hat ganz unterschiedliche junge Russen begleitet und dabei einen Querschnitt der russischen Gesellschaft geschaffen.

Er lernt einen jungen Mann kennen, der sich selbst als Roofer bezeichnet. Als Freikletterer steigt er weltweit illegal auf die Spitze von Gebäuden, Denkmälern, Krähen - und er nimmt sich dabei auf, verdient mittlerweile sogar sein Geld damit. Doch wenn er länger als 3 Wochen aus Russland weg ist, bekommt er Heimweh.

Er begleitet junge Menschen auf beiden Seiten der Politik - glühende Putin-Anhänger, die sich in Zeltlagern drillen lassen und T-Shirts tragen, in denen gefragt wird, ob sie sich schon zur Front gemeldet haben und bei Mädchen, dass sie bereit seien, zu gebähren. Er besucht aber auch ein junges Mädchen, das für eine Kremlkritische Zeitung schreibt, für die auch die Journalistin Politiskaya geschrieben hat, die ständig Angst um ihr Leben haben muss, trotzdem nichts bereut.

Er besucht auch einen jungen Mann, der in einem Heim für geistig behinderte Menschen lebt und über das Leben dieser Menschen am Rande der Gesellschaft lebt, verborgen vor den normalen Russen.


Fazit

Das Buch liefert spannende Einsichten in das Leben in Russland - was macht Putin so erfolgreich? Wie lebt es sich als Oppositions-Anhänger oder als Behinderter? Bidder hat das ganze Land bereist und dabei ein spannendes Portrait einer zerrissenen Generation geschaffen.

Feinfühlig zeigt er auf, was die jungen Leute bewegt, die irgendwo zwischen dem westlichen Kapitalismus und dem Wunsch, zu einer Weltmacht zu gehören, gefangen sind. Junge Menschen, die aus den Stöckelschuhen schlüpfen, um sich dem Drill eines Zeltlagers auszusetzen. Junge Menschen, die die Gefahr kennen, aber trotzdem von ihren oppositionellen Positionen lossagen möchten.

Besonders bewegt hat mich die Geschichte des jungen Mannes, der irgendwo am Stadtrand von St. Petersburg in einem Behindertenheim lebt und für die Rechte der Behinderten in seiner Stadt kämpft. Bewegt hat es mich deshalb, weil Bidder auch die Geschichte zeigt, dass Frauen, die behinderte Kinder gebaren, vor 20 Jahren noch dazu aufgefordert wurden, ihre Kinder zu verstecken. Er fuhr so lange in die Stadt, bis das Personal in den U-Bahnen St. Petersburgs ihm tatsächlich hilft - unbeirrbar.

Das Buch liefert sehr spannende Einblicke in die russische Gesellschaft und bekommt von mir ganz klare 5 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke